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Österreichischer Integrationspreis 2011: Die Sieger

Vier vorbildliche Projekte ausgezeichnet, Ehrenpreis der Jury an Hans Staud

Das Projekt "Roma-Jugend" des Lions Club Murau, das "Hausbesuchsprogramm HIPPY für Eltern von Vorschulkindern in Wien, Niederösterreich und der Steiermark" der beratungsgruppe.at, der "KunstSozial Raum Brunnenpassage" der Caritas der Erzdiözese Wien sowie die gelebte Diversität bei wohnpartner, dem Nachbarschaftsservice im Wiener Gemeindebau - das sind die Gewinner des Österreichischen Integrationspreises 2011, der gemeinsam von ORF, dem Verein "Wirtschaft für Integration" und der österreichischen Wirtschaft vergeben wurde. Vier weitere Projekte erhielten eine Anerkennung in der Höhe von jeweils 2.500 Euro. Bei der glanzvollen Preisverleihung am Mittwoch, dem 8. Juni 2011, im Wiener Rathaus wurde außerdem der bekannte Hersteller von Konfitüren und Gemüsedelikatessen, Hans Staud, mit einem Ehrenpreis der Jury ausgezeichnet.

Wien und Österreich zeichnen sich durch eine hohe Lebensqualität aus. Dazu tragen auch Menschen bei, die zugewandert sind. "Rund 17 Prozent der Gesamtbevölkerung sind nicht in Österreich geboren. Gerade in Wien haben viele zugewanderte Menschen eine neue Heimat gefunden. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und die Internationalität dieser Menschen verleihen Wien ein besonderes Flair und machen es zu einer offenen europäischen Metropole. Gelungene Integration ist gelebte Wirklichkeit, das zeigt der erneut so erfolgreiche Österreichische Integrationspreis 2011 mit überragenden 261 Einreichungen", beurteilen Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Raiffeisen-Generalanwalt Dr. Christian Konrad, Schirmherrn des Vereins "Wirtschaft für Integration", die Situation.

"Die große Beteiligung und vor allem die Qualität der eingereichten Projekte sind beeindruckend", freut sich auch ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz. "Sie zeigen eine Fülle von positiven Zugängen zu einem gesellschaftspolitischen Thema auf, das sonst vielfach kontrovers diskutiert wird. Ich gratuliere allen, die mitgemacht haben, ganz besonders natürlich den Nominierten sowie den Gewinnerinnen und Gewinnern, und ich bedanke mich bei unseren Partnern aus der Wirtschaft für die hervorragende Zusammenarbeit." Für den ORF gehört die Auseinandersetzung mit den Themen Migration und Integration zu seinem Selbstverständnis als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen. Wrabetz: "Als Rundfunk der Gesellschaft sind wir selbstverständlich auch jenen knapp 20 Prozent Österreicherinnen und Österreichern verpflichtet, die Migrationshintergrund haben."

"Wir brauchen Menschen mit neuen Ideen, mit der Bereitschaft, unsere Gesellschaft mitzugestalten, zu bereichern und weiterzuentwickeln. Das trägt zur hohen Lebensqualität bei und sichert Arbeitsplätze. Zugewanderte Menschen tragen in diesem Sinn maßgeblich zum Wirtschaftsaufschwung unseres Landes bei, als Arbeitnehmer und als Arbeitgeber. Diese Menschen gut zu integrieren stärkt unser Land im internationalen Wettbewerb", so Dr. Georg Kraft-Kinz, Obmann des Vereins "Wirtschaft für Integration". "Gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft setzen wir mit dem Österreichischen Integrationspreis auf die Chancen und auf die Zukunft unseres Landes. Die hohe Qualität der eingereichten Projekte, das dadurch dokumentierte breite Engagement der Zivilgesellschaft führen uns vor Augen, dass Integration schon längst von weiten Teilen der österreichischen Bevölkerung positiv gestaltet wird. Und das ist gut so!", freut sich sein Stellvertreter, der in Teheran geborene Wiener Unternehmer Mag. Ali Rahimi.

Kategorie "fördern & unterstützen"
"KunstSozial Raum Brunnenpassage", Caritas der Erzdiözese Wien, Wien

Die Brunnenpassage in Wien-Ottakring bietet täglich Kunst und Kultur für Menschen rund um den Brunnenmarkt. Die Besucher/innen unterschiedlichster Herkunft können an Kunstprojekten mitwirken und sich dabei kennenlernen. Ziel ist es, allen Bevölkerungsgruppen Zugang zu insbesondere zeitgenössischer Kunst zu erschließen. Dabei wird das Potenzial künstlerischer Prozesse auch als Mittel für sozialen Wandel genutzt. Über Kunst wird erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert.

Die Jurybegründung: "Die Brunnenpassage bietet täglich Kunst und Kultur für Menschen rund um den Brunnenmarkt in Wien. Die Besucher/innen aus unterschiedlichster Herkunft können nachhaltig an Kunstprojekten mitwirken und sich dabei kennenlernen. Ziel ist es, allen Bevölkerungsgruppen Zugang zu insbesondere zeitgenössischer Kunst zu erschließen. Das Potenzial von künstlerischen Prozessen wird dabei auch als Mittel für sozialen Wandel genutzt. Über Kunst wird erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert."

Preis und Urkunde übergaben die Vorstandsdirektorin der Österreichischen Lotterien, Bettina Glatz-Kremsner, und Karl-Heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender von PORR.

Kategorie "anpacken & initiativ sein"
"Roma Jugend", Lions Club Murau

Pflegen statt betteln - so lautet ein Ziel des Projekts: Jugendliche aus der diskriminierten, ungarisch sprechenden Minderheit der Volksgruppe der Roma in der Slowakei werden in einem zwölfmonatigen Kurs zu Pflegerinnen und Pflegern ausgebildet. Finanziert wird die Ausbildung durch einen Bildungskredit, der vom Lions Club Murau sowie von freiwilligen Spendern gewährt wird. Nach Erlangen der Erwerbsfähigkeit soll ein Teil der Ausbildungskosten von den Jugendlichen refundiert werden. Bei Erfolg in diesem Pilotprojekt erwarten sich die Initiatoren, dass dadurch europaweit Sozialhilfeausgaben eingespart und soziale Spannungen reduziert werden.

Die Jurybegründung: "Bei dem Projekt handelt es sich um die Initiative einer Person, die mit dem Thema per se nichts zu tun hat. Die negativ konnotierten Themen Betteln und Roma werden umgedreht. Daraus ergibt sich, dass aus worst-worst win-win wird. Unterstützung heißt nicht nur geben, sondern auch etwas zu bekommen: Das Projekt basiert auf einem eigenen Finanzierungsmodell - ein Teil der Ausbildungskosten wird zurückgezahlt. Das zurückerbrachte Geld wird wieder in die nächsten Auszubildenden investiert, so entsteht Nachhaltigkeit. Das Projekt fungiert als Vorbild und hilft, die Jugendlichen von der Straße zu holen. Indem sie zu Pflegerinnen ausgebildet werden, wird auch der vorherrschende Mangel an Fachkräften minimiert."

Preis und Urkunde übergaben der Generaldirektor der Novomatic, Franz Wohlfahrt, Gabriele Payr, Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, und Peter Hanke, Geschäftsführer der Wien Holding.

Kategorie "bilden & befähigen"
"HIPPY", Verein für Informationsvermittlung, Bildung und Beratung, Wien

HIPPY ist ein Bildungs- und Frühförderprogramm für sozial- und bildungsbenachteiligte Familien mit Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren. Jede Mutter wird bei sich zu Hause wöchentlich eine Stunde lang von einer zweisprachigen Betreuerin mit speziellem Übungsmaterial vertraut gemacht, das sie dann allein mit ihrem Kind täglich durcharbeitet. Mütter werden so in die Lage versetzt, eigenständig familiäre Bildungsaktivitäten durchzuführen. Ziel ist es, die Frauen zu stärken und sie dem Arbeitsmarkt näherzubringen, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern und damit ihre gesellschaftliche Integration zu erleichtern.

Die Jurybegründung: "Der Aspekt Heimbesuch hat in Österreich wenig Tradition, was für die Zielgruppe (schwer erreichbare Migrantinnen) sehr wichtig ist. Herausforderungen im Bereich Bildung werden vor allem in den Schulstrukturen beleuchtet. Bei diesem Projekt wird die andere Seite, das Zuhause, die Eltern unterstützt. Die Mitarbeiter von HIPPY gehen in die Familien, direkt in die Communitys und setzten in ihrer Arbeit niederschwellig an. Das führt dazu, dass man niederschwellige Multiplikatoren ausbildet und die Mütter befähigt, selbst Bildungsträgerinnen zu sein. Außerdem vermitteln sie Wissen nicht nur an die Kinder, sondern auch an die gesamte Familie. Hierfür gibt es eine genaue Dokumentation, die methodisch versiert und langjährig erprobt ist."

Preis und Urkunde übergaben der Präsident der Industriellenvereinigung Wien, Georg Kapsch, und Peter Eichler, Vorstandsdirektor der UNIQA Personenversicherung AG.

Kategorie "unternehmen & arbeiten"
"Gelebte Diversität", wohnpartner, Wien

wohnpartner ist ein Nachbarschafts-Service im Wiener Gemeindebau. Aufgabe ist es, durch vielfältige Angebote, Projekte und Maßnahmen die Nachbarschaft im Gemeindebau und die Identifikation mit dem Wohnumfeld zu stärken. Schon die Vielfalt seiner Mitarbeiter/innen an kulturellen Erfahrungen und Sprachen wird als Stärke betrachtet. Ein Drittel der Führungskräfte und etwa 40 Prozent der wohnpartner-Mitarbeiter/innen haben Migrationshintergrund. wohnpartner führt intern Diversitäts-Schulungen für alle Mitarbeiter/innen durch und hat zudem eine eigene Fokusgruppe rund um das Thema Diversität in der Organisation eingerichtet - auch speziell für türkischsprachige Mitarbeiter/innen. Stärke und Vielfalt der Mitarbeiter/innen ermöglicht es wohnpartner, den Anliegen der Bewohner/innen vor Ort besser zu entsprechen.

Die Jurybegründung: "Wohnen ist ein wichtiges Thema im Bereich Integration. Die wohnpartner sind eines der wenigen Services der Stadt Wien, das sich darauf eingerichtet hat, Migranten auch zu 30 Prozent in der Führungsetage zu beschäftigen. Die wohnpartner sind ein Spiegel ihrer Kunden, was die Akzeptanz erhöht. Von Konfliktmanagement bis zu Deutschkursen bieten sie ein überaus breites Feld für ihre Kunden an."

Preis und Urkunde übergaben Johannes Schuster, Vorstandsdirektor der RZB, und die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank.

Ehrenpreis der Jury: Hans Staud

Seit den 1970er Jahren - als es noch "Gastarbeiter" hieß - beschäftigt Hans Staud Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen, mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen. Damals hat er auch Serbisch und Kroatisch gelernt, um sich mit seinem Personal verständigen zu können. Sein Konzept von Integration hat nichts mit moderner Diversitätsstrategie zu tun und ist trotzdem effizient, weil es aus dem Gefühl für die Menschen kommt. Hans Staud ist als Mensch und als Unternehmer Vorreiter in Integrationsfragen und wurde für sein langjähriges Engagement mit einem Ehrenpreis der Jury ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte durch die den stellvertretenden Obmann des Vereins "Wirtschaft für Integration", Ali Rahimi, die Schirmherren des Vereins, Bürgermeister Michael Häupl und Generalanwalt der RLB NÖ-Wien Christian Konrad, sowie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Finanzielle Unterstützung

Vier weitere Projekte wurden mit einem Preisgeld in der Höhe von jeweils 2.500 Euro bedacht: die "Heim-WM für alle" des Vereins "Sport spricht alle Sprachen" in Salzburg, das Nachbarschaftsprojekt des Vereins "Miteinander am Monte Laa - Laaer Berg" in Wien, das Wiener Schulprojekt "Pazmanitengasse ist Vielfalt - Vielfalt ist Mehrwert" sowie das Theaterstück "Heim.at" des interkulturellen Vereins Motif in Bregenz.

Der Jury des Österreichischen Integrationspreises gehören an

Eva Grabherr, Historikerin, Judaistin und Integrationsexpertin; Kenan Güngör, Experte für Integrations- & Diversitätsfragen; Aleksandra Izdebska, Geschäftsführerin und Personalleitung DiTech; Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien; Franz Küberl, Präsident der Caritas Österreich; Silvana Meixner, Leiterin ORF-Minderheitenredaktion; Ali Rahimi, stv. Obmann "Wirtschaft für Integration"; Christoph Ronge, Wiener Stadtwerke, Public Affairs; Dwora Stein, Vizepräsidentin der AK Wien und Geschäftsführerin der GPA djp; sowie Erika Tiefenbacher, Direktorin der Kooperativen Mittelschule Wien-Schopenhauerstraße - als Gewinnerin Österreichischer Integrationspreis 2010 in der Kategorie "bilden & befähigen" erstmals in der Jury.

 

 
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