Kammerschauspielerin Gertraud Jesserer, geboren am 13. Dezember 1943 in Wien, spielte schon als 15-Jährige an der Seite von Romy Schneider in Rolf Thieles Spielfilm "Die Halbzarte". Mit 16 wurde sie vom Wiener Max-Reinhardt-Seminar als "unbegabt" frühzeitig entlassen. Dieser Fehleinschätzung zum Trotz debütierte Gertraud Jesserer kurz darauf in Franz Molnárs "Liliom" am Wiener Theater in der Josefstadt, dessen Ensemble sie bis 1969 angehörte. Nach Engagements am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg in den Jahren 1969 bis 1973 kam sie nach Wien zurück und ist seit 1974 Mitglied des Burgtheater-Ensembles. Am Burgtheater debütierte sie als "Marianne" in Ödön von Horvaths Stück "Geschichten aus dem
Wienerwald". Für ihre berührende und überzeugende Darstellung wurde
sie mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet.
Ihr Rollenrepertoire ist sehr breit gefächert, in der österreichischen Theaterliteratur fühlt sich Gertraud Jesserer ebenso heimisch wie in der klassischen Dramatik: So verkörperte sie unter anderem Rollen in Stücken von Schnitzler, Hofmannsthal, Horváth und Nestroy ebenso wie in Werken von Shakespeare und Schiller. In den vergangenen Jahren war sie in zahlreichen herausragenden Produktionen zu sehen, etwa in den Luc-Bondy-Inszenierungen von Horváths "Figaro lässt sich scheiden" (Festwochen-Koproduktion im Theater in der Josefstadt) und von Tschechows "Die Möwe" (Festwochen-Koproduktion im Akademietheater) oder in der "Maria Stuart"-Inszenierung von Andrea Breth am Wiener Burgtheater.
Neben ihrer intensiven Bühnenarbeit spielte Gertraud Jesserer in insgesamt mehr als 100 Fernseh- und Kinoproduktionen. Sie stand für TV-Serien wie "Derrick", "Kommissar Rex", "Stockinger" und "Julia - Eine ungewöhnliche Frau" ebenso vor der Kamera wie für zahlreiche Spielfilme, unter anderem Bernd Fischerauers Mehrteiler "Der Salzbaron", Xaver Schwarzenbergers Drama "Lamorte" oder die Komödie "Altes Herz wird wieder jung" von Heide Pils. In den fast
100 Folgen der "Familie Leitner" schrieb sie als "Gerda" österreichische Fernsehgeschichte mit.
Im ORF war sie im November 2002 in der Hauptrolle von Wolfgang Murnbergers schwarzer Krimikomödie "Taxi für eine Leiche" zu sehen, eine Verfilmung von Edith Kneifls Roman "Ende der Vorstellung". Im Kino war sie in Peter Payers skurriler Produktion "Ravioli" 2003 als Mutter von Alfred Dorfer zu sehen.
Für den ORF stand sie im Februar/März 2003 unter der Regie von Michael Kreihsl für die Charakterkomödie "Jetzt erst Recht!" vor der Kamera, im Mai spielte sie in der vom ORF koproduzierten zweiteiligen Historienverfilmung "Marie Bonaparte" mit Weltstar Catherine Deneuve in der Titelrolle den Part von Sigmund Freuds Schwägerin Minna.
Unter der Regie von Harald Sicheritz steht sie im Herbst 2004 für die zehnteilige Komödienserie "11er-Haus" vor der Kamera.