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Parlament und ORF starten Pilotprojekt zur Live-Untertitelung und Förderung der Barrierefreiheit im ORF
Fotocredit: ORF/Ali Schafler
ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, NR-Präsidentin Mag.a Barbara Prammer

Neues Spracherkennungssystem zum weiteren Ausbau des ORF-Untertitelungsangebots für Menschen mit Hörbehinderung präsentiert

Am Freitag, dem 27. November 2009, luden Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer und ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz zur Präsentation einer beispielhaften Kooperation zum Ausbau des Services für die derzeit mehr als 500.000 gehörlosen oder stark schwerhörigen Menschen in Österreich.

Im Rahmen eines gemeinsamen dreijährigen Pilotprojekts werden der ORF und das österreichische Parlament ein Spracherkennungssystem zur Anwendung bringen, das es möglich macht, dem Publikum erstmals auch die Übertragungen der Parlamentsdebatten mit Live-Untertiteln anzubieten. Dieses sogenannte "Re-Speaking"-System ermöglicht damit auch die Untertitelung längerer, sprachlich komplexer Live-Sendungen und stellt eine wichtige Ergänzung zum barrierefreien Angebot des ORF dar.

NR-Präsidentin Mag.a Barbara Prammer: "Weiterer Schritt in Richtung barrierefreies Parlament"

"Das Parlament setzt mit diesem Projekt einen weiteren Schritt in Richtung Barrierefreiheit", freut sich Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer über diese Neuerung. Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die Einführung der Gebärdensprache im vergangenen Sommer, mit deren Hilfe Gehörlose erstmals die vom ORF übertragenen Debatten des Nationalrats verfolgen können. Die Nationalratspräsidentin dankt dem ORF für diese Innovationen.

Im Sinne einer lebendigen Demokratie sei es wichtig, möglichst allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, am politischen Geschehen teilzuhaben, so Prammer. Gerade das Parlament als Ort der freien Rede solle auch gehörlosen oder stark schwerhörigen Menschen erschlossen werden. Seit zwei Jahren werde auch der Web-Auftritt des Parlaments auf die heutigen Standards der Barrierefreiheit umgestellt, so Prammer weiter: "Mit dem neuen Internet-Auftritt des Parlaments, der für das kommende Jahr vorgesehen ist, werden diese Initiativen konsequent fortgesetzt und der Zugang zum Informationsangebot des Parlaments beträchtlich erleichtert."

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz

"Für den ORF ist es Teil seines öffentlich-rechtlichen Selbstverständnisses, den barrierefreien Zugang zu seinen Programmen in den nächsten Jahren verstärkt zu ermöglichen", erklärt ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz bei der Vorstellung des Projekts. "Der ORF ist damit der einzige Rundfunkanbieter in Österreich, der diese wichtige soziale Verantwortung wahrnimmt. Das nun startende Pilotprojekt zwischen Parlament und ORF-Gehörlosenservice ist ein klares Bekenntnis dazu, allen Menschen in Österreich Zugang zum umfassenden Informations- und Unterhaltungsangebot des ORF zu ermöglichen."

Pilotprojekt zum Ausbau der Live-Untertitelung im ORF-Programm

Bisher war die Untertitelung von Live-Sendungen im ORF aufgrund der sprachlichen Komplexität und der oftmals hohen Sprechgeschwindigkeit ein sehr aufwendiges Verfahren, weshalb sich der Anteil an Live-Untertitelung auf Wahlberichterstattung, ausgewählte Sportgroßereignisse und ähnliche Sondersendungen konzentrierte. Das neue Spracherkennungssystem, das in der Schweiz bereits erfolgreich eingesetzt und nun im Rahmen des Pilotprojekts zwischen dem Parlament und dem ORF mit der Untertitelung der mehrstündigen Parlamentsübertragungen in Österreich getestet wird, basiert auf dem Prinzip des Re-Speakings.

Die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ORF-Untertitel-Redaktion sprechen das Gehörte simultan in ein Mikrophon, und das System überträgt den Text mit nur geringer Verzögerung direkt auf den Bildschirm. Um die Ausfallsicherheit zu gewährleisten und im Fall technischer Probleme die Kontinuität der Untertitelung sicherzustellen, wird während einer rund halbjährigen Pilotphase parallel zum "Re-Speaking" auch das bisherige Schnellschreibersystem zur Verfügung stehen.

Im Rahmen der Kooperation zeichnet der ORF für die technische Abwicklung verantwortlich und übernimmt auch Training und Schulung der Redakteurinnen und Redakteure, die in Zukunft die Übertragungen der Parlamentsdebatten im ORF live untertiteln werden. Darüber hinaus stellt der ORF diese Untertitel auch dem österreichischen Parlament für dessen Online-Bereich zur Verfügung.

Das nun gestartete und auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt wird es in Zukunft ermöglichen, auch längere Live-Sendungen in Echtzeit zu untertiteln. Sollte sich das System in der Pilotphase bewähren, ist geplant, das "Re-Speaking"-System zur deutlichen Output-Steigerung im Bereich der TV-Information und des TV-Talks, sowie der Live-Berichterstattung einzusetzen - beispielsweise bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika und auch im Unterhaltungsprogramm.

Gesehen werden die Untertitel über die Zuschaltung der ORF TELETEXT-Seite 777.

 

 
Barrierefreie ORF-Angebote

Pro Monat stellt der ORF derzeit bereits mehr als 500 Stunden seiner Programme in ORF 1 und ORF 2 mit Untertiteln zur Verfügung, das Hauptabendprogramm des ORF wird bereits nahezu zur Gänze untertitelt. In den nächsten Jahren wird der ORF, nicht zuletzt durch den Einsatz des neuen Spracherkennungssystems, die Untertitelung seiner Programme verstärkt ausbauen und hat mit dem Launch der ORF-TVthek erst kürzlich sein Angebot stark erweitert.

Auf der werbefreien Plattform http://tvthek.ORF.at sind seit 16. November 2009 alle Video-on-Demand- und Live-Stream-Angebote des ORF sieben Tage lang abrufbar. Neben der Möglichkeit, alle Elemente der Seite für leichtere Lesbarkeit in mehreren Stufen zu vergrößern, werden dort auch sämtliche vom ORF mit Untertiteln produzierte Sendungen als spezielle Serviceleistung für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich gemacht.


Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick