Hochkarätige Diskussionsrunde mit Alexander Wrabetz, Ingrid Deltenre und Paul Lendvai. Wrabetz: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird an Bedeutung gewinnen!"
Medienfreiheit ist ein zentraler Bestandteil der Demokratie. In jüngster Zeit ist sie vielfach in Diskussion geraten, etwa in Italien oder Osteuropa. Über die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen in diesem Zusammenhang diskutierten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre und der Journalist und Osteuropaexperte Paul Lendvai im Rahmen des ORF-DialogForums am Dienstag, dem 5. Juli 2011, zum Thema "Europäische Medienqualität der Zukunft".

Paul Lendvai (Osteuropaexperte), Klaus Unterberger, Ingrid Deltenre (Generaldirektorin European Broadcasting Union), ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz
ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz unterstrich, dass "der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird". Und weiter: "Wir versorgen die Gesellschaft mit unabhängiger, relevanter Information. Die Kommerziellen haben diese während der Wirtschaftskrise als erstes zurückgefahren. Wir produzieren Unterhaltung mit Haltung, was uns auch klar von den Kommerziellen unterscheidet. Natürlich muss diese öffentlich-rechtliche Medienqualität jeden Tag aufs Neue erarbeitet und bewusst gemacht werden. Für den ORF konnten wir in den vergangenen Jahren einige wichtige Weichenstellungen erreichen: Wir haben den wirtschaftlichen Turnaround aus eigener Kraft geschafft und sind finanziell unabhängig. Unsere redaktionelle Unabhängigkeit ist außer Streit und wir haben unsere diesbezüglichen Richtlinien und Regulative mit dem journalistischen Verhaltenskodex entscheidend weiterentwickelt!", so der ORF-Generaldirektor.
EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre betonte dies: "Öffentlich-rechtliche Medien bewähren sich europaweit als 'Rundfunk der Gesellschaft'. Für die EBU ist die redaktionelle Unabhängigkeit und die Medienfreiheit ein zentrales Anliegen", so Deltenre: "Die Öffentlich-Rechtlichen leisten einen wichtigen Beitrag für eine informierte europäische Öffentlichkeit. Sie geben die Standards für fundierte Information vor!"
Osteuropaexperte Paul Lendvai zeigte sich unter anderem über die Entwicklung in Ungarn besorgt: "In vielen der neuen Demokratien in Europa gab es ähnliche Entwicklungen und Rückschläge in der Medienfreiheit. Das Besondere an Ungarn ist, dass hier - begünstigt durch das Wahlrecht - ein System der Kontrolle über Medien errichtet wird, um den Einfluss der regierenden Partei auf lange Jahre abzusichern. Und auch die beiden kommerziellen Kanäle kommen unter Druck, weil aufgrund der anstehenden Digitalisierung eine Neuvergabe der Frequenzen ansteht!"
Gerade am Beispiel des Projekts Europa zeige sich die wichtige Rolle der Öffentlich-Rechtlichen, hob Wrabetz hervor: "Europa befindet sich in einer komplexen Umbruchsituation. Öffentlich-rechtliche Medien bieten eine Plattform für fundierte Information und sachliche Debatten, die 'Europa' erklären, ohne es schön zu reden" Die European Broadcasting Union (EBU) komme als Dachorganisation für die Vertretung der Anliegen Öffentlich-Rechtlicher auf europäischer Ebene dabei wachsende Bedeutung zu.