Diskussion internationaler Medienexperten im ORF-RadioKulturhaus
Während Vorgänge und Zusammenhänge in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer komplexer werden, leiden Medien unter sinkenden Einnahmen und steigendem Erfolgsdruck. Welche Rolle kommerzielle Medien dabei spielen und was das für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedeutet, diskutierten internationale Medienexperten Freitag im ORF RadioKulturhaus in Wien.
"Es ist uns gelungen, für diese Veranstaltung einige der besten Medienexperten im deutschen Sprachraum auf einem Podium zu versammeln", freute sich Moderator Dr. Klaus Unterberger, Leiter des ORF-Public Value-Kompetenzzentrums, über die spannende Diskussion.
Nach einem Impulsreferat von Direktor Uwe Kammann, Geschäftsführer des renommierten Adolf-Grimme-Instituts in Marl, diskutierten Prof. Dr. Kurt Imhof von der Universität Zürich, Prof. Dr. Helmut Scherer von der Universität Hannover, Prof. Dr. Reinhard Christl, Leiter des Instituts für Journalismus und Medienmanagement an der Fachhochschule Wien, und Mag. Waltraud Langer, Leiterin der ORF-Magazine. Uwe Kammann stellte in seinem Impulsreferat die Bedeutung einer sich ständig weiter entwickelnden Medienlandschaft für Gesellschaft und Demokratie im Laufe der Geschichte dar, benannte mediale Hybridformen als Herausforderungen für die Zukunft und fordert mehr journalistische Sorgfaltspflicht.
Prof. Dr. Helmut Scherer von der Uni Hannover hob hervor, dass Qualität nicht nur am Inhalt sondern auch an der Verpackung zu messen sei: "Die Vermittlungsqualität ist im Zeitalter multimedialer Konkurrenz genauso wichtig wie der Inhalt. Auch Qualität muss um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen." Ähnlich sah dies ORF-Magazin-Chefin Mag. Waltraud Langer, die die Wichtigkeit und Vielfalt öffentlich-rechtlicher Medienproduktion am Beispiel des ORF-Angebots hervorhob: "Wir sind nicht nur dafür da, 10.000 Gescheite noch gescheiter zu machen, sondern für alle. Der ORF erfüllt seinen Auftrag mit einem umfassenden Programmangebot in Radio, Fernsehen und Online, das sich an alle Publikumsschichten wendet!"
Auch Prof. Dr. Kurt Imhof von der Universität Zürich plädierte für Qualitätsmedien, die nicht Hofberichterstattung betreiben, sondern die Staatsgewalt kritisch durchleuchten, und warnt: "Medienpopulismus fördert politischen Populismus.
Prof. Dr. Reinhard Christl von der Fachhochschule Wien forderte mehr öffentliche Gelder sowie politische Bekenntnisse zu Qualitätsmedien von der Zeitung bis zum Internet und vermisste kritische Diskussionen über Medien in den Medien selbst.
Einhelligkeit unter den Fachleuten gab es auch im Ruf nach Medienerziehung sowohl in der Schule als auch in Aus- und Weiterbildungsprogrammen.