Der am 11.1.1965 in Paris geborene Musiker Bertrand de Billy begann seine Karriere als Geiger und Bratschist in verschiedenen französischen Orchestern, bevor er in das Dirigentenfach wechselte. Von 1986 bis 1990 erarbeitete er als Chef des Orchestre Symphonique de Jeunes en Ile de France ein breites Konzertrepertoire von Bach bis zum 20. Jahrhundert und dirigierte zahlreiche Uraufführungen vornehmlich französischer Musik. Danach arbeitete er als Stellvertreter des Generalmusikdirektors beim Pariser Orchestre Colonne und am Anhaltischen Theater in Dessau.
Seine internationale Karriere als Operndirigent führte ihn u.a. an den Londoner Covent Garden, die Staatsoper Berlin, die Pariser Opera Bastille, das Brüsseler Theatre de la Monnaie, die Wiener Staatsoper, die Bayerische Staatsoper München und an die New Yorker Met.
Von 1996 bis 1998 war er stellvertretender Chefdirigent und Erster Kapellmeister an der Wiener Volksoper, 2002 wurde de Billy Chefdirigent des RSO Wien und war bis 2004 zusätzlich noch als Chefdirigent des Gran Teatro de Liceu in Barcelona tätig.
2004 feierte er an der Wiener Staatsoper einen großen Erfolg mit der
fünfaktigen Fassung von Verdis "Don Carlos" (Regie: Peter Konwitschny). 2005 leitete er in New
York die Neuproduktion von Gounods "Romeo et Juliette", 2007 die Premiere von Massenets
"Manon" mit Anna Netrebko und Roberto Alagna in Wien. 2008 wird er die Neuproduktion "Faust"
von Gounod leiten.
Die Zusammenarbeit mit dem RSO Wien begann im Frühjahr 1999 mit Massenets "Maria
Magdalena" beim Festival OsterKlang und setzte sich dann beim Sommerfestival KlangBogen mit
den Produktionen "Werther", "Luisa Miller", "Idomeneo", "Fidelio" und dem Projekt "Verdi-
Marathon" fort. Im Mozartjahr 2006 dirigierte er die Neuproduktion von "Don Giovanni" und fast
parallel dazu die "Don Juan"-Paraphrase "Flammen" des im KZ ermordeten tschechischen
Komponisten Erwin Schulhoff.
Bertrand de Billy hat mit dem RSO Wien bereits zahlreiche CD-Produktionen aufgenommen,
darunter auch der viel diskutierte Mozart/da Ponte-Zyklus, d´Alberts "Tiefland", Ausschnitte aus
Wagners "Tristan und Isolde", Klavierkonzerte von Ravel und Gershwin mit Pascal Rogé sowie
"Französische Orchesterwerke", das "Requiem" von Berlioz, Cerhas Violinkonzert, Schuberts große
C-Dur-Symphonie und Beethovens "Eroica".
Auf dem Konzertsektor erarbeitete de Billy mit dem RSO Wien eine große Anzahl von Ur- und
Erstaufführungen zeitgenössischer Komponisten – u.a. von Cerha, Kurtág, Schlee, Jarrell, Dutilleux,
HK Gruber, Rihm, Staud, Mernier, Romitelli, Widmann, Berio, B.A. Zimmermann, Messiaen und
Henze. Daneben startete er einen Mahler-Zyklus und setzte Klassiker des 20. Jahrhunderts
(Debussy, Ravel, Berg, de Falla, Hindemith, Strawinsky u.a.) neben die kontinuierliche Pflege von
Klassik und Romantik.
Von 2002 bis 2010 trat Bertrand de Billy mit dem RSO Wien alljährlich bei den
Salzburger Festspielen auf. Der Vertrag von Bertrand de Billy, Chefdirigent des ORF-Radio-Symphonieorchesters, wurde bis Ende der Konzertsaison 2009/2010 verlängert. Mit Vertragsende im Sommer 2010 hat Bertrand de Billy dieses Orchester länger geleitet als alle seine Vorgänger.
Im Mai 2010 wurde RSO-Chefdirigent Bertrand de Billy von Bundesministerin Dr. Claudia Schmied mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.