Der 1930 in Zürich geborene Schauspieler Mario Adorf, Sohn eines italienischen Chirurgen, studierte Philologie und Theaterwissenschaften. Seine Karriere begann am Zürcher Schauspielhaus - vorerst im Bereich Komparserie, in weiterer Folge bis zur Regieassistenz. Von 1953 bis 1955 besuchte er die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München.
In den Jahren 1955 bis 1962 war Mario Adorf Ensemblemitglied der
Münchner Kammerspiele. Weiters spielte er unter anderem am Münchner Residenztheater und an der Wiener Volksoper. Zu seinen wichtigsten Bühnenstücken zählen der "Figaro" von Beaumarchais, der "Wirrkopf" von Molière, "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams, "Othello" von Shakespeare und "Arturo Ui" von Bert Brecht.
Seit 1954 steht der charismatische Künstler vor der Filmkamera und wirkte in zahlreichen deutschsprachigen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen mit. Seit den sechziger Jahren zählt Adorf zu den international bekanntesten deutschen Schauspielern. Die lange Karriere des seit Jahrzehnten unter anderem in Italien lebenden Allroundtalents begann mit der Trilogie "08/15". Die Darstellung eines geistesgestörten Massenmörders in dem Film "Nachts, wenn der Teufel kam" machte den Enter-tainer, der auch vier Bücher veröffentlicht hat, über Nacht berühmt. Adorf arbeitete mit allen wichtigen deutschen Regisseuren der vergangenen Jahrzehnte, darunter Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder und Dieter Wedel, zusammen.
Für seine Arbeit erhielt Mario Adorf zahlreiche Auszeichnungen, so unter anderem 1958 den Preis der deutschen Filmkritik als bester Darsteller in "Nachts, wenn der Teufel kam", 1965 den Bundesfilmpreis und den "Preis der Filmkritik" für "Io la conoscevo bene", 1974 den Ernst-Lubitsch-Preis, 1978 den Bambi. Für seine Rolle in "Die Blechtrommel" wurde er 1979 mit dem Bundesfilmpreis "Goldene Schale" und dem "Großen Hersfeld-Preis" ausgezeichnet, 1982 folgte der "Bundesfilmpreis - Filmband in Silber" für "Lola", 1986 der "Deutsche Darstellerpreis - Bester Darsteller" für "Via Mala".
Im Herbst/Winter 2000 gastierte der vielseitige Künstler mit seiner Show "Ciao" in 19 deutschen Städten. Mit "Ciao" bot Adorf seinem Publikum mit Liedern und Chansons einen Streifzug durch seine Kindheit und Jugend.
Im Februar 2001 wurde Mario Adorf in seiner Heimatstadt Mayen in der Eiffel, wo er seine Kindheit und Jugend bis zum Abitur verbrachte, zum Ehrenbürger gewählt.
Film und Fernsehen (eine Auswahl):
1954
"Kirschen in Nachbars Garten", Regie: Erich Engels
1956
"Nachts, wenn der Teufel kam", Regie: Robert Siodmak
"Termin Julia wird gehalten", Regie: Franz Josef Wild
"Die Tochter des Brunnenmachers", Regie: Wilm ten Haaf
1957
"Der Arzt von Stalingrad", Regie: Géza von Radvany
"Die Schwestern", Regie: Kurt Wilhelm
"Mammis Wanderjahre", Regie: Carl Heinz Schroth
1958
"Das Mädchen Rosemarie", Regie: Rolf Thiele
"Schwester Bonaventura", Regie: Wilm ten Haaf
1959
"Das Totenschiff", Regie: Georg Tressler
"Am Tag als der Regen kam", Regie: Gerd Oswald
"Nachtasyl", Regie: Paul Verhoeven
1960
"Wer sind Sie, Doktor Sorge?", Regie: Yves Ciampi
"Mein Schulfreund", Regie: Robert Siodmak
"Schachnovelle", Regie : Gerd Oswald
1961
"Le Goût de la Violence", Regie: Robert Hossein
" A Cavallo de la Tigre", Regie: Comencini
1962
"Lulu", Regie: Rolf Thiele
"La Legenda di Fra Diavolo", Regie: Leopold Savona
"Straße der Verheißung", Regie: Imo Moszkowicz
"Karol", Regie: Rolf Hädrich
1963
"Winnetou" (Teil 1), Regie: Harald Reinl
"Der letzte Ritt nach Santa Cruz", Regie: Rolf Ohlsen
"Die zwölf Geschworenen", Regie: Günther Gräwert
1964
"Sierra Chariba / Major Dundee", Regie: Sam Peckinpah
"Die Goldsucher von Arkansas", Regie: Paul Martin
"Unser Mann in Istanbul", Regie: A. Isasi-Isamedi
1965
"La Guerra Secreta", Regie: Terence Young
"Die Herren", Regie: Rolf Thiele
1966
"Una Rosa per tutti", Regie: Franco Rossi
"Ganovenehre", Regie: Wolfgang Staudte
"Herr Puntilla und sein Knecht Matti", Regie: Rolf Hädrich
1967
"Le Dolci Signore", Regie: Luigi Zampa
"Amigos", Regie: Giulio Petroni
1968
"Das rote Zelt / La Tenda Rossa", Regie: Mikhail Kalatosow
1969
"Engelchen, mach weiter", Regie: Michael Verhoeven
1970
"Die Herren mit der weißen Weste", Regie: Wolfgang Staudte
"Le Specialiste", Regie: Sergio Corbucci
"Deadlock", Regie: Roland Klick
"L"Arciere di Sherwood", Regie: Giorgio Ferroni
1971
"Cran D'Arret", Regie: Yves Boisset
"Malastrana", Regie: Aldo Lado
"La Polizia Ringrazia", Regie: Steno
1972
"La Violenza - Quinto Potere", Regie: Florestani Vancini
"Sans Sommation", Regie: Bruno Gantillon
"The Italian Connection", Regie: Fernando di Leon
1973
"Il Delitto Matteotti", Regie: Florestano Vancini
"Reise nach Wien", Regie: Edgar Reitz
"Pinocchio", Regie: Luigi Comencini
1974
"Der dritte Grad / La Faille", Regie: Peter Fleischmann
1975
"Die verlorene Ehre der Katharina Blum", Regie: Volker
Schlöndorff
"Cuore di Carne", Regie: Albero Lattuado
1976
"Bomber und Paganini", Regie: Nikos Perakis
"Gefundenes Fressen", Regie: Michael Verhoeven
1977
"Io Ho Paura", Regie: Damiano Damiani
"Der Hauptdarsteller", Regie: Reinhard Hauff
"Tod oder Freiheit", Regie: Wolf Gremm
"Das letzte Schuljahr", Regie: Franco Giraldi
1978
"Fedora", Regie: Billy Wilder
1979
"Die Blechtrommel", Regie: Volker Schlöndorff
"Milo, Milo", Regie: Nicos Perakis
1980
"Lola", Regie: Rainer W. Fassbinder
"La Disubbidienza", Regie: Aldo Lado
1981
"The little World of Don Camillo", Regie: Peter Hammond
1983
"Klassenverhältnisse", Regie: Jean-Marie Straub
"Coconuts", Regie: Franz Novotny
"The Holocroft Covenant", Regie: John Frankenheimer
1983/84
"Via Mala", Regie: Tom Toelle
1984
"Momo", Regie: Johannes Schaaf
"Des Teufels Paradies", Regie: Vadim Glowna
1986
"Kir Royal", Regie: Helmut Dietl
"Flucht ohne Ende", Regie: Michael Kehlmann
1987
"Notte Italiana", Regie: Carlo Mazzacurati
"Mino - Junge zwischen zwei Fronten", Regie: Gianfranco
Albano
"Heimatmuseum", Regie: Egon Günther
1988
"La Gran Fauche", Regie: Guy Hamilton
"Maxantimo", Regie: Rudolf Straub
"Rausch der Verwandlung", Regie: Eduard Molinaro
"Abendstunde im Spätherbst", Regie: August Everding
1989
"Rosamunde", Regie: Egon Günther
"Présumé Dangereux", Regie: Georges Lautner
"Allein gegen die Mafia", Regie: Luigi Perelli
"Keine Gondel für die Leiche", Regie: Franz J. Gottlieb
"Ociano", Regie: Rugero Deodato
"Galileo Galilei", Regie: Ivo M. Micheli
1990
"Stille Tage in Clichy", Regie: Claude Chabrol
"Café Europa", Regie: Franz X. Bogner
"Die Kaltenbachpapiere", Regie: Rainer Erler
"Fantaghiro", Regie: Lamberto Bava
1991
"Pizza Colonia", Regie: Klaus Emmerich
"Rio Verde", Regie: Patrick Jamain
"Der große Bellheim", Regie: Dieter Wedel
1992
"Das Fest" (Arbeitstitel), Regie: Peter Zingler
1992/1993
"Amigo Mio", Regie: Jeanine Meerapfel
1993
"Katz und Maus", Regie: Hajo Gies
"Bauernschach", Regie: Helmut Berger
1994
"Tresko 1", Regie: Hajo Gies
"Der Schattenmann", Regie: Dieter Wedel
1995
"Smillas Sense of Snow / Fräulein Smillas Gespür für
Schnee", Regie: Bille August
"Tresko II / Jagd af Milan", Regie: Gunther Gräwert
1996
"Rossini", Regie: Helmut Dietl
"Tresko III / Der Maulwurf", Regie: H. Griesmayr
"Alle für die Mafia", Regie: Gernot Friedel
1997
"Der 15. Apostelbrief", Regie: José Maria Sanchez
"Liebe deinen Feind", Regie: Damiano Damiani
1998
"Spiegelspiele", Regie: Jose Maria Sanchez
"Piraten", Regie: Lamberto Bava
"Comeback für Freddy Baker", Regie: Matti Geschonnek
1999
"Der kleine Lord", Regie: Giorgio Capitani
"Sciu - Sciu", Regie: Joseph Sargent
2000
"Die Affäre Semmeling", Regie: Dieter Wedel
2001
"Epsteins Nacht", Regie: Urs Egger
2003
"Vera - Die Frau des Sizilianers", Regie: Joseph Vilsmaier
2004
"Die Jungen von der Paulstrasse", Kino, Regie: Maurizio Zaccaro
2005
"Es ist ein Elch entsprungen" , Regie: Ben Verbong
"Enigma - Eine uneingestandene Liebe", Regie: Volker Schlöndorff
"Stripes - Ein Zebra im Rennstall", Regie: Frederik Du Chau
2006
"Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes", Dokudrama, Regie: Gero von Boehm
2007
"Die rote Zora", Kino, Regie: Peter Kahane
2010
"Die lange Welle hinterm Kiel", TV-Film, Regie: Nikolaus Leytner
"Der letzte Patriarch", Regie: Michael Steinke