ORF-Premiere "Die Verführerin - Adele Spitzeder" am 11. Jänner in ORF 2
Was für eine Verlockung: Zehn Prozent Zinsen, und das bar auf die Hand. Die Versprechen, mit denen Adele Spitzeder den Leuten das Geld aus der Tasche lockte, waren einfach zu schön. Heerscharen von Menschen kamen nach München und legten ihr Erspartes bei ihrer "Dachauer Bank" an, bei der die Schauspielerin geschickt Geld von einem zum anderen verschob. Doch irgendwann verlor sie den Überblick. Was dann um das Jahr 1872 geschah, ähnelt der Finanzkrise unserer Zeit: Der Zusammenbruch der Bank und der Ruin unzähliger geprellter Anleger.
Basierend auf dem Drehbuch von Ariela Bogenberger verfilmte Xaver Schwarzenberger für den ORF und den BR das bewegte Leben der Adele Spitzeder (1832-1895) mit Birgit Minichmayr in der Hauptrolle. Im Rahmen eines Pressetermins am Donnerstag, dem 1. Dezember 2011, in München gaben Birgit Minichmayr, Marianne Sägebrecht und Regisseur Xaver Schwarzenberger Einblicke in die Entstehung des Films und sprachen über die Faszination dieser Frau.
Die ORF-Premiere von "Die Verführerin - Adele Spitzeder" ist am Mittwoch, dem 11. Jänner 2012, um 20.15 Uhr in ORF 2 zu sehen.
Schwarzenberger: "Es ist ein Film mit meiner absoluten Wunschbesetzung"
"Birgit Minichmayr war für mich absolut die erste und beste Wahl. Und mit dieser Besetzung schlägt man auch bewusst die Brücke zur Moderne", sagt Xaver Schwarzenberger und meint weiter: "Die Zusammenarbeit war ein Traum und Birgit Minichmayr verleiht dieser Figur auch eine unglaubliche Sinnlichkeit. Überhaupt finde ich, dass der ganze Film sehr gelungen ist. Und: Es ist ein Film mit meiner absoluten Wunschbesetzung."
Auch Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr streut dem Regisseur Rosen: "Es war eine hervorragende Zusammenarbeit. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit einem Regisseur gearbeitet habe, der gleichzeitig auch die Kamera macht. Da hab ich vorher nicht gewusst, wie man damit umgeht, aber es gibt einem eine große Selbstverantwortung und die übernehme ich immer gerne. Und er dreht in der Fassbinder-Methode, oder besser gesagt: in dem 'One take wonder', also eine Einstellung möglichst immer nur einmal drehen. Das habe ich vorher auch noch nie gemacht, war am Anfang auch ein bisserl ängstlich, hab mich aber dann drauf eingelassen und fand das dann sehr gut. Bei dieser Methode hat man eine ganz andere Konzentrationsbündelung und man hat immer so ein Premierengefühl."
Begeistert von der Hauptdarstellerin zeigte sich auch Marianne Sägebrecht: "Birgit hat das so fantastisch gespielt - mit einer unglaublichen Kraft und gleichzeitig auch mit Verletzlichkeit."
Birgit Minichmayr als Adele Spitzeder - Von der Schauspielerin zur Bankfrau
Über Adele Spitzeder meint Minichmayr: "Sie war eine gespaltene Persönlichkeit. Sie wollte immer Schauspielerin sein, war aber sehr erfolglos. Ihre Eltern waren sehr erfolgreich und konnten sich dadurch auch leisten, sie auf teure Schulen zu schicken. Und diese Erfolglosigkeit gepaart mit einem übermäßigen Luxusleben, das sie trotzdem geführt hat, ging sich nicht aus. Und so wurde sie dann angetrieben, dadurch, dass sie sich auch immer was leihen musste, dieses ganze Zinsverhältnis umzudrehen."
Schon in der Recherchephase war die Oberösterreicherin begeistert von Adele Spitzeder: "Es war sehr interessant, ihre Memoiren zu lesen und es war nicht immer sehr sympathisch, wie sie da rüberkommt. Trotzdem hat es mich begeistert, mit welcher Chuzpe sie das alles durchgezogen hat, und man darf nicht unterschätzen, dass ihre Bank mitschuldig war an der ersten wirtschaftlichen Krise, vor allem in Bayern." Und weiter: "Mich hat auch ihre Schuldlosigkeit sehr fasziniert - also sie hatte auch überhaupt kein Unrechtsbewusstsein entwickelt. Und natürlich ist es auch imponierend, dass sie die erste Bankfrau war. Ich kannte diese Figur nicht, als das Drehbuch auf mich zukam, und dann hab ich viel gelesen und war schwer beeindruckt von dieser Biografie. Sie war auch eine sehr moderne Frau und dadurch noch mehr in dieser Männerdomäne ein Dorn im Auge."
Minichmayr: "Es ist ein Charakter zwischen Madoff und Robin Hood"
"Es ist ein Charakter zwischen Madoff und Robin Hood. Wobei sie für mich schon eher Madoff ist, weil sie den Robin Hood sehr vampiristisch betrieben hat und auch nicht aus ihren eigenen Händen, sondern aus Geldern von anderen Leuten", meint Minichmayr und sagt weiter: "Sie spielt sich sehr als Wohltäterin auf, aber selbst dieses Geben heißt in Wirklichkeit sich noch mehr Orden an die Brust heften."
Auch Xaver Schwarzenberger war von Adele Spitzeder fasziniert: "Sie war eine gute Strategin. Sie war sehr bigott - hat Gott immer vorgeschoben. In der Kirche wurde sie von der Kanzel runter sehr gelobt - sie war eine absolute PR-Fachfrau und in dieser Zeit die Finanzgöttin. Irgendwann hat sie aber dann die Übersicht verloren."

Xaver Schwarzenberger (Regie), Birgit Minichmayr (Adele Spitzeder), Johannes Herrschmann (Stangl), Alicia von Rittberg (Therese Eder).
 | MI 11.1.2012 | 20.15 UHR |