Der Erich-Neuberg-Preisträger 2009 steht fest
Mit dem Erich-Neuberg-Preis, einer ORF-Filmauszeichnung für eine herausragende Fernsehproduktion des vorangegangenen Programmjahres wurde diesmal Nikolaus Leytner für seine Arbeit "Ein halbes Leben" ausgezeichnet. Das von Allegro Film produzierten und in Zusammenarbeit von ORF und ZDF hergestellte TV-Drama, in dem zwei einander unbekannte Männer im Mittelpunkt stehen, die fast zwanzig Jahre lang auf entsetzliche Art miteinander verbunden sind.
Matthias Habich als Vater eines ermordeten Vergewaltigungsopfers kann sich mit dem Tod seiner Tochter nicht abfinden - und noch weniger mit der Tatsache, dass der Täter trotz massiver Spuren nie ermittelt wurde. Ein halbes Leben lang gibt er die Hoffnung nicht auf und sucht, fahndet und recherchiert. Ein halbes Leben lang lebt jedoch auch der Mörder (Josef Hader), mittlerweile selbst Familienvater, mit der Angst, überführt zu werden. Gut zwanzig Jahre nach der Tat, als sich die DNA-Analyse in der Gerichtsmedizin durchzusetzen beginnt, scheint das Hoffen und Bangen für beide Seiten beendet zu sein.
Aus der Jurybegründung: "Eine schwierige Aufgabe" und "Sehr gut gelungen"
In der Begründung der Erich-Neuberg-Preisjury, der neben Heinrich Mis auch die Preisträger der Jahre 2007 und 2008 - Elisabeth Scharang und Andreas Prochaska - angehören, heißt es u. a.: "Mit 'Ein halbes Leben', sowohl als Drehbuchautor als auch Regisseur, hat sich Nikolaus Leytner auf mehrere Wagnisse eingelassen. Formal zwei Filmstränge zu erzählen, die sich erst gegen Ende des Films zu einer Handlung vereinen, ist gegen gelernte Dramaturgie gestrickt. Um Regeln zu brechen, muss man sie kennen und beherrschen. Das ist Nikolaus Leytner gelungen. Und das mit einem Stoff, der an sich höchst problematisch in Aufarbeitung und Darstellung ist. Das Leben eines Verbrechers, eines Lustmörders, über Jahre zu verfolgen, darzustellen, differenziert aufzuarbeiten, parallel dazu das Leiden der Eltern eines seiner Opfer zu verfolgen, ist eine Herausforderung an die Emotionen, die Urteilsfähigkeit und die Geduld des Publikums. Mit der Besetzung von Matthias Habich als Vater des Opfers und Josef Hader als Sexualstraftäter stellt Leytner auch zwei Schauspiel-Welten gegenüber und generiert daraus Spannung."
Und weiter: "Mit dem Ertasten und Erörtern eines moralischen Grenzbereichs stellt der Film die Belastbarkeit der Hauptabend-Zuschauer auf eine harte Probe. Und stellt die Frage nach Sinn und Praktikabilität von Sühne bei feststehender Schuld. Leytner stellt keine fertige Meinung vor, er überlässt dem Publikum die jeweils eigene Schlussfolgerung."
Die Erich-Neuberg-Preisträger - ein historischer Überblick
Im Gedenken an den Fernsehpionier Erich Neuberg (1928-1967) vergibt der ORF seit 1981 die Auszeichnung für besondere und beachtenswerte filmische Werke, die aus dem Fernsehalltag herausragen.
Von Peter Patzak bis Harald Sicheritz, von Fritz Lehner bis Xaver Schwarzenberger, von Karin Brandauer bis Götz Spielmann: Ingesamt 27 österreichische Film- und Fernsehmacher haben seit 1981 (startend mit dem Programmjahr 1980) den Erich-Neuberg-Preis erhalten.
Die Regisseure Wolfgang Murnberger und Xaver Schwarzenberger bekamen die Auszeichnung sogar zweimal, für das Jahr 2005 wurden zwei Künstler - David Schalko und Alfred Dorfer für ihre gemeinsames TV-Format "Dorfers Donnerstalk" - zeitgleich gewürdigt.
Die bisherigen Erich-Neuberg-Preisträger und ihre Filme im chronologischen Überblick:
1980
Fritz Lehner für "Das Dorf an der Grenze"
1981
Dieter Berner für "Alpensaga"
1982
Heide Pils für "Familienrat"
1983
Susanne Zanke für "Was Flügel hat, fliegt"
1984
Käthe Kratz für "Lebenslinien"
1985
Peter Patzak für "Försterbuben"
1986
Lukas Stepanik für "Beschloss ich Politiker zu werden"
1987
Karin Brandauer für "Erdsegen"
1988
Margareta Heinrich für "Durch dick und dünn"
1990
Xaver Schwarzenberger für "Souterrain"
1991
Gernot Friedel für "Das Ende eines langen Winters"
1992
Kurt Ockermüller für "Hansi Vrba, Inländerfreund"
1993
Wolfram Paulus für "Fahrt in die Hauptstadt"
1994
Götz Spielmann für "Dieses naive Verlangen"
1995
Nikolaus Leytner für "Ein Anfang von Etwas"
1996
Wolfgang Murnberger für "Auf Teufel komm raus"
1997
Julian Pölsler für "Die Fernsehsaga"
1998
Johannes Fabrick für "Bernhardiner & Katz"
1999
Harald Sicheritz für "Qualtingers Wien"
2000
Stefan Ruzowitzky für "Die Siebtelbauern"
2001
Michael Kreihsl für "Probieren Sie's mit einem Jüngeren"
2002
Wolfgang Murnberger für "Brüder"
2003
Ulrich Seidl für "Jesus, Du weißt"
2004
Thomas Roth für "Trautmann - 71 Tage"
2005
David Schalko und Alfred Dorfer für "Dorfers Donnerstalk"
2006
Xaver Schwarzenberger für "Margarete Steiff"
2007
Elisabeth Scharang für "Franz Fuchs - Ein Patriot"
2008
Andreas Prochaska für "Der erste Tag"
2009
Nikolaus Leytner für "Ein halbes Leben"